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Tunnel-Projekt soll Europa und Afrika verbinden

Geschrieben von Heiko am Donnerstag, 03. Mai 2007

Europäische Ingenieure bereiten zurzeit ein Projekt vor, das Spanien und Marokko an der Meerenge von Gibraltar mit einem Eisenbahntunnel verbinden soll. Damit würden nicht nur Spanien und Marokko, sondern auch die Kontinente Europa und Afrika miteinander verbunden. 
Ein Eingang des Tunnels soll in Andalusien, in Tarifa sein, dann führt der Tunnel unter der 
Straße von Gibraltar über eine Länge von 40 Kilometern nach Tanger in Marokko. Befahren soll den Tunnel dann ein Hochgeschwindigkeitszug.

Bis zu 500 Meter unter dem Meeresspiegel - unter 300 Metern Wasser und 200 Metern Boden - soll der neue Tunnel verlaufen. Zum Vergleich: Die Züge im Eurotunnel zwischen Dover und Calais fahren maximal 70 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Kosten für das Projekt werden auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die Bauzeit auf fast 20 Jahre. Damit würden die Kosten in etwa denen des rund 10 km längeren Eurotunnel entsprechen. Der tonige Kalk und Sandstein unter der Straße von Gibraltar erfordert einen tieferen Verlauf des Tunnels und 
verteuert damit den Bau.

Finanzierung fraglich
Ob das Projekt über die Planungsphase hinauskommt ist jedoch fraglich. 
Zwar wurden die geologischen Besonderheiten der Meerenge geprüft und die große 
Ingenieurbüros aus Spanien, Marokko, Italien und der Schweiz sind von der Machbarkeit 
überzeugt. Jedoch müssen die Daten noch in einer  Durchführbarkeitsstudie verifiziert 
werden. Dann hängt es von verschiedenen Behörden ab, ob das Projekt als ökonomisch und politisch sinnvoll eingestuft wird. Zumindest die Planer des ehrgeizigen Projektes erhoffen sich vom Tunnel einen wirtschaftlichen Aufschwung in beiden Regionen. 

Jedoch gibt es für die Finanzierung bislang kein tragbares Konzept. Zwar bekunden Spaniens Premierminister José Zapatero und König Mohammed VI von Marokko ihr Interesse an dem Mammutprojekt – jedoch stellen beide Länder zusammen bislang gerade einmal ein lächerliche 24 Millionen Euro zur Verfügung. Mit Zuschüsse aus EU-Mitteln und privaten Investoren soll der unerhebliche Rest aufgebracht werden.

Sollten die Planer diese Probleme lösen, käme auf das 10.000-Einwohner-Nest Tarifa am 
südlichsten Punkt Spaniens einiges zu. Statt windsuchende Wassersportler würden sich über 20 Jahre lang schweres Baugerät auf Trucks und später endlose Ströme von Reisenden durchs Dorf bewegen.

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