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Spanische Arbeitsmarktreform gegen Beschäftigungskrise

Geschrieben von Heiko am Freitag, 05. November 2010

Über 20% Arbeitslosigkeit, Hunderttausende Jugendliche ohne Perspektive: Spanien steht vor einem Fiasko.
Dass gerade Spanien so hart von der weltweiten Krise betroffen ist, liegt zu einem großen Teil am "ladrillo" (Ziegelstein). Das Wort ist das Synonym für die jahrelange Bauwut, welche Spanien einen beispiellosen Aufschwung bescherte. Das abrupte platzen der Immobilien- und Spekulationsblase ließ den Arbeitsmarkt genauso in sich zusammenfallen. Allein 2009 wurden über 1,2 Millionen Arbeitsplätze vernichtet - davon 35% im Bausektor.
Da Angestellte mit unbefristeten Verträgen einen rigiden Kündigungsschutz genießen, stellen spanische Arbeitgeber bevorzugt per Zeitvertrag ein. Jeder vierte Beschäftigte bekam im vergangenen Jahr einen solchen"Müllvertrag", wie viele Spanier dazu sagen. Zum Vergleich: in Deutschland war 2009 nur jeder zehnte Vertrag zeitl. befristet. Gerade diese Verträge wurden dann entweder gekündigt oder nicht verlängert.
Besonders junge Menschen unterschrieben in den vergangenen Jahren oft Zeitverträge. Der "ladrillo" lockte mit schnellem Geld, die Schule wurde abgebrochen um zu arbeiten, oft auf dem Bau. Diese Leute stehen jetzt auf der Straße - ohne Ausbildung, ohne Job. Spanier unter 25 Jahren haben zu 40 Prozent keinen Job - so etwas gibt es nirgendwo sonst in Europa.  
Eine Reform des Arbeitsmarkts war also dringend nötig. Nach monatelangen Verhandlungen mit Gewerkschaften und Unternehmensführern wurde ein Resultat vorgestellt, dass in groß angekündigten Generalstreik im September kaum in Frage gestellt wurde:
Ein gelockerter Kündigungsschutz soll den Arbeitsmarkt flexibler machen, neue Jobs schaffen. Die von Vielen als überhöht angesehenen Abfindungen bei Entlassungen werden gesenkt. Zudem wird das System der Kurzarbeit nach deutschem Vorbild gefördert. Das Maßnahmenpaket sollen die Unternehmen bewegen mehr Festeinstellungen vorzunehmen. 
Die Reform kostet den Staat rund 740 Millionen Euro. Ein Großteil davon soll dazu dienen, Anreize für mehr unbefristete Verträge in den Unternehmen zu schaffen und die Einstellung von jungen Leuten sowie Langzeitarbeitslosen zu fördern. 
Ob die im Sept. 2010 vom spanischen Parlament abgesegnete Neuregelung den gewünschten Effekt bringt, bleibt abzuwarten.

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