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Spaniens Parlamentswahlen im Zeichen der Immobilienkrise

Geschrieben von Heiko am Freitag, 15. Februar 2008

Die als  Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten gestartete globale Finanzkrise erwischt Spanien voll. Die volkswirtschaftliche Situation in Spanien ist mit der in den USA durchaus vergleichbar: Hohe Inflation, hohe private Verschuldung, ein wachsendes Außenhandelsdefizit und eine sich rasant beschleunigende Immobilienkrise. Immobilien-Schnäppchenjäger frohlocken, während Spaniens Regierung den Parlamentswahlen im März entgegenzittert.
In den vergangenen Jahren lag die Inflation bei mehr als drei Prozent, im vierten Quartal 2007 stieg sie auf 4,3 Prozent. Damit liegt Spaniens Preissteigerung 1,2 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Dieser Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bringt das Außenhandelsdefizit des Landes auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Genau wie in den USA kommen die Banken unter die Räder der Immobilienkrise. Sie hängen einerseits von den Hypotheken ab - Zehntausende spanischer Familien können kaum noch ihre Raten zahlen.  Andererseits fallen die Raten von den Krediten an die Bauentwickler aus, welche immer mehr zahlungsunfähig werden. Trotz deutlich niedrigeren Immobilien-Preisen in einzelnen Regionen, finden Sie keine Käufer für ihre Objekte. Es wurde in den vergangenen Jahren zu Spekulationszwecken so weit über Bedarf gebaut, dass das Wohnraumangebot die Nachfrage um mehr als 15 Prozent übersteigt. In kleineren Küstenorten und im Hinterland haben Eigenheime im letzten Jahr teilweise mehr als 50 Prozent an Wert verloren. Wer schon lange von einem eigenen Heim auf der iberischen Halbinsel träumte, kann jetzt so günstig wie seit Jahren nicht mehr einkaufen. 

Die Regierung versucht angesichts der Entwicklung nicht in Panik auszubrechen, aber wird aktiv. Waren die Sozialisten bisher relativ sparsam, werden jetzt, da vor den Wahlen die Umfragewerte schlechter werden, Wohltaten verteilt. Für jedes Kind bekommen Familien nun einmalig 2500 Euro ausgezahlt, und Jugendliche erhalten seit Anfang dieses Jahres einen Mietzuschuss.

Doch Spaniens Jobmaschine stottert, es macht sich Unruhe im Land breit. Die Bau- und Wohnungswirtschaft baut monatlich Tausende von Jobs ab. Im vergangenen Jahr verloren dort bereits 32.000 Menschen ihren Job,in diesem Jahr werden es nach Berechnungen der spanische Bank BBVA 83.000 Jobs sein. Dazu kommen weitere zehntausende statistisch schwer zu erfassende Arbeitsplätze, die indirekt vom Immobilienboom abhingen. Der Vertrauensindex der spanischen Konsumenten fällt. Die Stimmung im Land wendet sich gegen den vermeintlich schuldigen Regierungschef Zapatero.
Klar, dass die konservative Oppositionspartei PP ihre Chance nutzt und keine Möglichkeit verstreichen lässt, um Panik zu verbreiten. »Wir werden mit einem Kater aufwachen, es stehen harte Zeiten bevor«, warnt Parteichef Mariano Rajoy bei jeder Gelegenheit. Um am 9. März die Wahl zu gewinnen, verspricht er, die Einkommensteuer zu senken.
Dennoch gibt sich Zapatero optimistisch, es bleibt ihm im Wahlkampf auch kaum etwas anderes übrig.

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