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Schule in Spanien

Auswandererkinder haben es leichter

Nach „PISA I“ kam „PISA II“, aber das deutsche Bildungswesen steht auch in der neuesten Studie nicht viel besser da. Politiker, Lehrer und Eltern schieben sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe. 
Spanien hat sogar noch etwas schlechter abgeschnitten, lässt sich von der Studie aber nicht weiter beeindrucken. Eine Diskussion zum Thema schulische Bildung, erregt geführt wie in Deutschland, hat es hier nie gegeben. Spanien setzt weiterhin auf eine angenehme Schulatmosphäre, statt das Schülerleben durch unzählige Reformen oder Verbesserungen kompliziert werden zu lassen.

Von dem herzlichen Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern in Spanien könnten die Deutschen sich getrost eine Scheibe abschneiden. Denn so ein distanziertes, ja fast feindliches Nebeneinanderherleben, wie es an deutschen Schulen oft üblich ist, gibt es in spanischen Schulen nicht. Im Gegenteil, dort hat der Lehrer zu seinen Schützlingen ein fast schon freundschaftliches Verhältnis: in der Pause wird geknuddelt oder gekebbelt, auch mal das Pausenbrot geteilt. Uns mag ein so inniges Verhältnis zunächst befremden, es kann aber auch sehr schön sein, wenn ein Schüler ganz normal - von Mensch zu Mensch - über eine vermasselte Klausur reden oder sich sogar mal über private Erfahrungen austauschen kann. Dieses viel unbeschwertere Verhältnis kann verhindern, dass ein kleiner Rebell nur aus Trotz einen gut gemeinten Ratschlag nicht annimmt oder sich ganz und gar dem Unterricht verschließt.
Die Basis, die man in Deutschland gerne hätte, ist in Spanien schon seit langem gegeben. Dass dadurch die Spanier vielleicht ein weniger breites Allgemeinwissen erwerben oder in den Fremdsprachen etwas hinterhinken, nimmt man dabei gelassen in Kauf. 

Gleiche Lehrpläne
Doch wenn spanische Schulkinder laut Pisastudie ein etwas niedrigeres Bildungsniveau aufweisen als deutsche Schulkinder, liegt dies weniger an der Qualität des angebotenen Unterrichts. Die Lehrpläne wurden dem europäischen Standard angepasst, es werden exakt die gleichen Lernziele angestrebt.
Dass diese Ziele eben in Spanien nicht so weitgehend wie in Deutschland erreicht werden, liegt nicht an den Lehrern oder der Lehrmethode, sondern vielmehr an der mangelnden Motivation der Kinder.
Das oft niedrige Bildungsniveau der Eltern, die ihre Schulausbildung vor 20 und mehr Jahren vernachlässigten,  macht es heute schwierig, den Kindern zu vermitteln, dass Bildung für sie wichtig ist. Wenn die Eltern Schulausbildung als nebensächlich abtun, mit Sätzen wie:„In unserer Familie hat keiner die Schule zu Ende gebracht, aber allen geht es gut.“, ist nachvollziehbar, dass spanische Kinder am Ende schlechter abschneiden. Bis hier ein Umdenken einsetzt, muss wohl erst noch eine Generation nachwachsen.

Kinder von Auswanderern 
haben es von dagegen einfacher, die Notwendigkeit einer guten Schulausbildung wird hier eher von den Eltern anerkannt. Wenn diese Einstellung von den Kindern übernommen wird, ergibt sich, gepaart mit dem angenehmeren südlichen Lernklima, eine sehr gute Chance für einen guten Abschluss. Auf einem Niveau, das sonst vielleicht in Deutschland von diesem Kind nie erreicht werden würde. Die bei spanischen Schulkindern häufig bemängelten Fremdsprachen bekommt ein Auswandererkind ohnehin von klein auf mitgegeben, da ergibt sich dann ein weiterer positiver Effekt für die Entwicklung des Heranwachsenden, beschrieben im Artikel: “Zweisprachigkeit macht das Hirn fit”.

Ein spanischer Absolvent einer Gesamtschule braucht sich seines bacchilleratos nicht zu schämen. Dass deutsche Kinder, die in Spanien ihren Abschluss gemacht haben, an einer deutschen Universität kein Problem haben, wird im Buch:”Auswandern nach Spanien - Nordländer berichten über Leben, Arbeiten, Familie & Schule im Süden” geschildert.

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