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Kontakt mit Spaniern

Begrüssung, Spontanität, Diplomatie, Kleidung

Das Leben in Spanien unterscheidet sich in vielen Details von dem, was Deutsche aus ihrer Heimat kennen, angefangen bei der Begrüssung:

In Spanien ist der Handschlag kaum verbreitet, darin sind die Deutschen Europameister. Händeschütteln ist in den Niederlanden vollkommen unüblich und in Großbritannien nur spärlich verbreitet. In Spanien sind zwei Luftküsschen normal. Begonnen wird immer links. Die rechten Wangen treffen stets zuerst aufeinander. Dies ist auch unter Männern, die sich gut kennen, normal. Sonst hört man das typische 'Que tal' oder 'Como estas', die normalen Begrüssungen, die zum Leben in Spanien einfach dazu gehören.

Dass man nach einem kurzen 'Bien' mit der selben Frage antwortet, erscheint den Deutschen oft seltsam. Zwar heisst es, wörtlich übersetzt, 'Wie geht es Dir?', doch die Spanier verwenden es ähnlich dem deutschen 'Hallo' und erwarten keineswegs eine ehrliche Antwort darauf. Wer dennoch genauere Auskunft über sein Befinden gibt, hat sich gleich als 'guiri', als Ausländer geoutet.
Auch wenn das Hierarchiedenken in Spanien eindeutig zum Leben gehört, nimmt man es mit dem 'Siezen und Duzen' leichter, man geht schneller zum 'Du' über. Dabei gelten dieselben Regeln wie bei uns: Das Angebot spricht der Ältere oder Ranghöhere aus. 

Viel Spontanität, Diplomatie und gute Kleidung sind drei markante Merkmale des Alltagslebens in Spanien. Spontanität gehört in Spanien zum täglichen Leben, es ist eine wesentliche Komponente des Miteinanders. Darunter leidet eben oft die Pünktlichkeit, eine Viertelstunde Verspätung ist nicht weiter ungewöhnlich. Wobei hier fairerweise angemerkt sei, dass Pünktlichkeit durchaus möglich ist, wenn es um einen wirklich wichtigen Termin geht.

Beim Kontakt mit Spaniern ist die Beziehungsebene entscheidend, man legt Wert auf einen persönlichen Umgang miteinander, Spanier wollen emotional angesprochen werden. In Spanien verschmelzen Privat- und Berufsleben sehr miteinander, ganz im Gegensatz zu der in Deutschland üblichen Sachorientierung und strikten Trennung der Lebensbereiche.
Deutsche wollen ruck-zuck ihre Arbeit erledigen und nehmen sich für das in Spanien übliche Drumherum kaum Zeit, weil es in ihren Augen 'Arbeitszeit' ist. So bemängeln Spanier manchmal die fehlende Geduld der Deutschen. In Spanien lebenden Deutschen fällt es oft schwer, persönlich, aber nicht privat zu sein. Interessen oder Themen, die in der Luft liegen, wie das Wetter, die Schönheit des Landes (was immer schmeichelt) oder aktuelle sportliche Ereignisse, sind geeignete Gesprächsinhalte bei allen Anlässen. Zum Leben in Spanien gehört es einfach, die Kunst der leichten Plauderei zu beherrschen.
Ob bei der gemeinsamen Mittagspause oder bei Tapas am Abend - die Kunst ist es, unbefangen zu plaudern, ohne gleich vertraulich zu werden. Überzeugungen oder Familienverhältnisse gehören einfach nicht in solche Konversationen. Von pers. Problemen oder gar Krankheiten will man schon gar nichts hören. Jammern gibt es nicht. 

Das macht das Leben in Spanien so anders: Die Lebenseinstellung der Spanier ist einfach eine andere. Das Glas ist halb voll und nicht halb leer, was ihre positive Grundeinstellung zeigt.
Das geht so weit, dass negatives auch in anderen Bereichen der Kommunikation umgangen wird. Für kritische Äußerungen finden Spanier stets eine positive Formulierung. Um den wahren Sinn einer Aussage zu erfassen, muss man zwischen den Zeilen lesen. Da man in Spanien weniger zwischen Sachaussage und Person trennt, nimmt man dort Kritik leichter persönlich. 
Deutsche Direktheit wirkt auf Spanier befremdend, kritische Äußerungen sollten clever verpackt werden. Kritik kann am besten, wohl überlegt formuliert, zwischen zwei positiven Aussagen versteckt werden.
Auch 'Nein' sagen ist nicht üblich. Ein 'Vielleicht' oder ähnliches ist immer angebrachter, denn ein glattes 'Nein' wird mitunter als endgültiger angesehen, als es vielleicht gemeint war. Zum Leben in Spanien gehört eben etwas Feingefühl bei den Formulierungen.

Einen guten Eindruck hinterlässt, wer sich als interessanter, freundlicher, möglichst auch noch humorvoller und attraktiver Mensch zeigt. Dabei ist das äußere Erscheinungsbild in Spanien genauso wichtig wie das restliche Auftreten. Deutsche Lässigkeit ist beim in Spanien lebenden Handwerker während der Arbeitszeit schon noch angebracht, doch das Strassenbild sieht anders aus.
Ob klassisch konservativ oder der letzte Modeschrei in Form eines Designerstücks - der Anlass entscheidet über die Art der Garderobe. Dabei spielt die Liebe zum Detail bei den Spaniern eine herausragende Rolle. Bei den Herren sollte der Gürtel zu den Schuhen passen. Bei den Damen ist es die Handtasche. Da die Spanier aber allgemein nicht alles so bierernst nehmen, ist auch hier genug Spielraum gegeben.


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