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Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Auswandern

Frauen sind sensibler, nachdenklicher, ängstlicher.

Frauen und Männer reagieren häufig sehr unterschiedlich. Nicht nur Feministinen bemerken, dass die geschlechterspezifische Wahrnehmung der neuen Situation nach einer Auswanderung die Dinge sehr  unterschiedlich darstellt.

Männer beginnen sofort mit dem „Jagen und Sammeln“, während die Frauen noch beim „Auspacken, Einordnen und Repräsentieren“ sind. Eine Übereinstimmungen im Verhalten der Neuankömmlinge, die den alteingesessenen Beobachter immer wieder verblüfft. In der Praxis meint dies, dass Männer sehr schnell mit der neuen Umgebung vertraut werden und aktiv nach außen wirken, zumal sie es ja auch meist sind, die für den Broterwerb sorgen. Aber das ist nicht der eigentliche Grund. Männer passen sich eben vom Naturell her problemloser an, finden sich in der Regel schneller im Alltag zurecht, orientieren sich örtlich rascher, sind mobiler.

Frauen sind sensibler, nachdenklicher, ängstlicher. An jedem mitgebrachten Stück haftet für sie eine Erinnerung wie ein angenehmer Duft aus der alten Welt, von dem sie zunächst nicht weiß, ob er hier passen wird. Jeder Schritte nach vorn wird mit Bedacht gemacht, die Blickweisen sind skeptischer, komplizierter. Für sie spielt das „drinnen“ eine wichtigere Rolle als das „draußen“. Bei ihm ist das umgekehrt. Dieser Fakt zieht sich durch sämtliche weibliche Sichtweisen, die oft, und stärker als bei den Männern, Gefühlsweisen sind. 

Befragt man frisch eingetroffene Auswanderer zu ihren aktuellen Erfahrungen, begrüssen normalerweise die Männer das neue Leben, zeigen sich zufrieden. Frauen schweigen. Zunächst. Verzögert beginnen sie zu reden, relativieren manches, beschreiben Missstände und unerfüllte Ansprüche. Nun schweigen die Männer - oder relativieren ihrerseits die Einsprüche.
Wenige Männer bereuen ihre Auswanderung oder gehen aus eigenem Antrieb zurück.  Hauptsächlich allein stehende Frauen – oft auch nach dem Tod des Gatten – drehen um, gehen dorthin, woher sie kamen. Viele Ausharrende sind innerlich hin- und hergerissen zwischen altem und neuem Leben.

So wäre gerade den – im ersten Impuls oft sehr am Auswandern interessierten - Frauen zu raten, vorher bedingungslos zu prüfen, inwieweit die Zustände in ihrem Traumland tatsächlich ihren Vorstellungen entsprechen und menschlich lebbar sind. Ein Kompromiss wäre ein vorerst zeitlich begrenzter Aufenthalt, ein nicht gleich endgültiger, sondern revidierbarer Schritt. Die Gewissheit der Rückkehrmöglichkeit schafft ein Gefühl der Sicherheit, gerade für Frauen eine wichtige Basis um das neue unbekannte Land positiv zu erleben. 

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