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Einleitung des Buches: Existenzgründung in Spanien - Auswandern

Die vollständige Einleitung

Unzählige Frühpensionierte und junggebliebene Senioren in den nördlichen Ländern plündern ihre Ersparnisse und verlassen ihr Heimatland mit dem Ziel, den dritten Lebensabschnitt unter südlicher Sonne zu verbringen. Aber nicht nur Ruheständler denken an ein Leben in mediterraner Wärme. Etwa seit dem Jahr 2002 verzeichnet Deutschland einen bis dahin nie gekannten Auswanderungsboom. Waren es früher 100.000 bis 250.000 Menschen, die Deutschland den Rücken kehren wollten, so schätzt man, daß heute die Millionengrenze längst weit überschritten ist.

Dieser neue Trend bringt auch einen neuen Auswanderer-Typus hervor.
Es sind heute zunehmend gut ausgebildete und motivierte junge Menschen, die eine berufliche Tätigkeit im EU-Ausland als Anregung, als Chance und Herausforderung begreifen, die sie gerne nutzen und bestehen wollen. Viele erwarten bessere Aufstiegschancen bzw. sicherere oder bessere Lebensbedingungen. Man ist das Sauwetter, die miese Laune am Arbeitsplatz, Mobbing und Stress leid, die in der Heimat an der Tagesordnung sind. Die Chancen auf persönliche Entwicklung werden immer geringer, man will raus, allem den Rücken kehren, neu beginnen: Man ist reif für die Insel.

Einen Traum wahr machen
Die Aussichten in Spanien können für manchen aus den verschiedensten Gründen besser sein als in Deutschland. Es gibt eine stärkere Nachfrage nach bestimmten Berufsgruppen. Vieles ist billiger, das Klima angenehmer und das Leben leichter. Der Gedanke ans Auswandern nistet sich normalerweise unbewusst ins Gehirn ein. Die Person freundet sich in der Folge zunehmend mit ihm an und entwickelt so sukzessive den Traum, alles hinter sich zu lassen. Schliesslich endet man in einem beinahe frenetischen Rausch: Sofort alles radikal hinter sich lassen! Dem fiesen Chef eine Postkarte schicken! Sich in einem klimatischen Paradies namens Spanien, das man bestenfalls aus einem kurzen Urlaub kennt, unter angenehmeren Bedingungen ein neues, nicht so hektisches Leben aufbauen! Einen Lebenstraum wahr machen. Man fühlt sich wie Kolumbus, der aufbricht, um Neues zu entdecken und Altbekanntes hinter sich zu lassen. Doch bleiben Sie innerlich ruhig und gelassen wie ein buddhistischer Zen-Mönch. Nehmen Sie sich alle Zeit der Welt, um die zentralen Fragen zu klären. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Doch plötzlich schleichen sich Zweifel ein. Der Verstand obsiegt und stellt bohrende Fragen: Wie soll das gehen? Bin ich wirklich ‚reif genug‘ für die Insel? Habe ich überhaupt die notwendigen Eigenschaften, um in einem anderen Land der Erde ein neues Leben zu beginnen? Diese Fragen können allesamt eine schlichte Tatsache nicht verdecken: Das globale Dorf wird für immer mehr Menschen Wirklichkeit. Eine zunehmende Anzahl Menschen starten ohne drängende wirtschaftliche Not einen neuen Lebensabschnitt in einem anderen Land.
Spanien rangiert ganz oben in der Gunst der Auswanderer unter den europäischen Ländern. Es ist mutet seltsam an, daß gerade Spanien eines der beliebtesten Emigrationsländer für Deutsche, Schweizer, Österreicher, Engländer und anderer Europäer geworden ist und nicht etwa Italien, Frankreich oder Griechenland. Diese Länder haben ja traditionell viel engere Bindungen zu europäischen Nordländern als das lange Zeit durch eine militärische Diktatur abgeschottete Spanien. Anscheinend vermochten die Vorteile Spaniens – ein ganzjährig angenehmes Klima, Lebenshaltungskosten die insgesamt unter den deutschen liegen, und eine gute Infrastruktur – die historischen Bindungen leicht zu überflügeln. Außerdem übte Spanien schon immer eine geheimnisvolle Faszination auf viele Menschen aus. Es wird wohl die magische Mischung aus Leidenschaftlichkeit, Religiosität und unverhohlenem Stolz sein, die eine unerklärliche Anziehung auf den Rest Europas besitzt.
Schön zu wissen, daß es viel Toleranz und Offenheit seitens der Spanier gegenüber den Immigranten aus dem Norden gibt: Lediglich 24 Prozent der Bevölkerung sind laut einer Umfrage einer spanischen Tageszeitung für Einwanderungsbeschränkungen, das sind fast dreimal weniger als in der Bundesrepublik, die mit 63 Prozent in diesem Punkt europaweiter Spitzenreiter ist.

Powerfrauen
Früher waren es traditionellerweise die Frauen, welche sich gegen die Auswanderungspläne ihrer Männer verwahrt hatten. Sie waren eher auf Sicherheit bedacht und bremsten zuviel Abenteuer. Sie wollten der Heimat auch nicht so leicht „den Rücken zu kehren“, weil sie stärker an ihren traditionellen Bindungen zur Familie und zum Freundeskreis hingen. Inzwischen hat sich dies gewaltig verändert. In vielen deutschen Familien ist es jetzt ‚die Mama‘, die genug von Deutschland hat und den Anstoß zum Auswandern gibt. Immer mehr Frauen begnügen sich nicht mehr damit, ihren Lebenspartner beim Neuanfang zu unterstützen, sondern bringen die Sache selbst in Gang. Selbstverständlich gibt es auch Frauen die sich mutig und ganz für sich allein, aber mit einer guten Ausbildung im Koffer, auf den Weg in den Süden machen. In Spanien jedoch ist die Benachteiligung der Frauen trotz aller Emanzipierung nach wie vor grösser als in andern EU-Staaten. Gleichberechtigung kann nicht alleine durch die Gesetzgebung von oben verordnet werden; auch in den Köpfen der „Machos“ muß sich noch viel tun. Ebenso müssen die Frauen selber die Veränderungen auch wollen, einfordern und umsetzen. Mehr dazu im Kapitel Patriarchat.
Die Gruppe der allein erziehenden Frauen verfügen, wenn der Vater seinen Zahlungsverpflichtungen regelmässig nachkommt, bereits über eine gewisse Sicherheit in der neuen Heimat. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass Spanien nach wie vor ein konservatives, erzkatholisches Land ist, in dem das Opus Dei eine starke Position innehat. Eine Frau, die in unkonventionellen Verhältnissen lebt, wird in vielen Gegenden nach wie vor schief angesehen und marginalisiert; ähnlich wie in Deutschland vor 20 oder 30 Jahren. Die Stellung der spanischen Frau in der Gesellschaft hat sich nach dem Ende der Franco-Diktatur derart schnell und radikal verändert, dass viele diesen Wechsel nicht mitvollzogen haben.
Wer schulpflichtige Kinder hat, sollte sich intensiv mit dem spanischen Bildungssystem beschäftigen und sich darum kümmern, wie eventuell bereits vorhandene Abschlüsse anerkannt werden. In Spanien gibt es staatliche Schulen, die gratis sind und private, die kostenpflichtig sind. An besonders begehrten Schulen gibt es mitunter auch Wartelisten.

Mit der Realität auseinander setzen
Inzwischen ist man an einem „point of no return“ angekommen. Die Träumereien werden immer drängender, farbiger, intensiver. Kaum sind die Augen geschlossen, entsteht das Bild von endlosen Stränden, wärmender Sonne und leichtfüssiger Zeitlosigkeit. Werden die Augen nach einiger Zeit widerwillig wieder aufgemacht, zeichnet sich die alltägliche Routine in viel düsteren Farben. Die alte Heimat erscheint langweilig und trist. Alles beginnt einen anzuöden.
Neue Menschen und Aufgaben reizen. Ein Häuschen mit Palmen im Garten ... Man will noch mal neu anfangen und die Ärmel hochkrempeln! Und warum eigentlich nicht ? Das Motto „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“ verleiht Kraft, Neues zu wagen. Ausserdem ist da noch der Gedanken, endlich in die Tat umzusetzen, was man sich vorgenommen hat. Aber Vorsicht: einmal an diesem Punkt und dem ernsthaften Entschluß angekommen, muß man sich ernsthaft mit der Realität auseinandersetzen und diesen Schritt, der dem Leben eine neue Richtung vorgibt, ganz genau durchkalkulieren und vorbereiten. Zuviel Blauäugigkeit und Idealismus ist nicht gut! Wer nur wegen dem Wetter auswandert, wird wahrscheinlich vereinsamen. Wer allerdings das Wetter als unbezahlbare Zugabe genießt und nutzt, wird gerne manche Schwierigkeiten in Kauf nehmen. Nur allzu viele sehen sich eher als berühmte Autoren, die den Roman ihrer eigenen Zukunft entwerfen. Eine Zukunft, so wie sie sie sich wünschen: Glänzend, schön und ruhmvoll. Die Details werden wichtig. In den Gedanken reiht sich Erfolg an Erfolg: Braungebrannte Haut, tolles Auto, repräsentatives Haus, viele Freunde… Es entsteht das Drehbuch einer fantastischen Zukunft, die so märchenhaft schön ist, dass sie eigentlich weder in der Heimat noch im Ausland realistisch wäre. Allfällige Zweifel werden mit einer Handbewegung beiseite gewischt, fast macht es den Anschein, als ob der feste Glaube allein den Erfolg garantieren würde. Doch es ist eine Binsenweisheit: Längst nicht alle Träume erfüllen sich...

Pleiten, Pech und Pannen
Die Schicksale der Auswanderer könnten ohne weiteres als Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen, persönlichem Leid und finanziellen Fiaskos dargestellt werden, die problemlos ein mehrbändiges Werk füllen würden. Die Angestellten der Deutschen Konsulate in Spanien beklagen sich über zunehmend schlechte Vorbereitungen des endgültigen Schritts ins Ausland und über naive Vorstellungen der deutschen Auswanderer bezüglich des Gastlandes. Von den über 100.000 Auswanderern jährlich scheitern je nach Zählweise bis zu dreißig Prozent. Sollten Sie sich zu der Gruppe Menschen zählen, die das Leben unter südlicher Sonne dem Leben im zwar kalten, dafür aber sozialen Wohlfahrtsstaat Deutschland vorziehen, dann sollten Sie gedanklich schon mal kräftig die Ärmel hochkrempeln. In Spanien wartet niemand auf Sie. Überall auf der Welt ausser in Deutschland sind Sie grundsätzlich Ausländer. Sie werden ungefragt und automatisch in die Kategorie „Gastarbeiter“ gesteckt. Überlegen Sie sich, welchen Status Gastarbeiter in Deutschland haben. Dieses Gedankenexperiment hilft ihnen, Relationen zu klären. Die Spanier sind in dieser Hinsicht zwar nicht so extrem wie die Deutschen, aber als einer der ihren werden Sie nie gelten, ausser sie lernen perfekt Spanisch und assimilieren sich vollständig. Dies sollten Sie bei aller Euphorie, die sich bei dem Gedanken an südliche Gefilde zeitweise einschleichen kann, nie vergessen. Wer auswandern will braucht nicht nur Mut, Ausdauer, Flexibilität und gute Nerven, sondern auch ein gutes finanzielles Polster sowie eine gesunde Portion Risikofreudigkeit. Überlegen Sie sich vorher ganz genau, ob das Ausland wirklich soviel besser ist. Wenn es Ihnen möglich ist, empfehlen wir Ihnen nachdrücklich, in der neuen Heimat erstmal einen längeren Schnupperurlaub zu verbringen. Lernen Sie die Sprache, knüpfen Sie erste Kontakte und machen Sie sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut. Sie sollten sich jederzeit darüber im Klaren sein, daß Sie zum Arbeiten kommen und nicht um Urlaub zu machen! Fliehen Sie nicht vor sich selbst. Ihren Charakter, ihre Persönlichkeit nehmen Sie immer mit, egal wohin Sie sich gehen.
Der Glaube, dass anderswo sei alles - man selbst inklusive – anders, das heisst besser, ist ein großer, aber leider weitverbreiteter Irrglaube. Wer beispielsweise kontaktscheu ist, zu Sucht oder Depressionen neigt, sollte nicht meinen, daß sich diese Schwächen allein durchs Auswandern verflüchtigen. Die Chance, dass sich das Gegenteil bewahrheiten wird, ist viel grösser. Wer auswandert, wirft den Einzelnen viel stärker auf sich selbst zurück. Klar, man kann diese Ausgangslage auch als Herausforderung verstehen und daran persönlich wachsen. Häufig bringt das Auswandern aber bereits genügend andere Probleme mit sich, so daß die Bearbeitung persönlicher, tiefliegender Schwierigkeiten oft schlicht überfordert. Besondere Vorsicht gilt in diesem Zusammenhang bei kriselnden Partnerschaften oder ramponierten Ehen. Die meisten Trennungen und Scheidungen beginnen ohnehin im Urlaub, weil die beiden Beteiligten viel näher aufeinander leben als im Alltag. Wenn man da noch darauf angewiesen ist, dass der andere einem bei einer neuen Existenzgründung hilft, empfiehlt sich eine stabile und verlässliche Beziehung mitzubringen.

Fliehen Sie nicht vor sich selbst
Niemand findet sein Glück, solange das eigentliche Motiv die Flucht vor dem Alltag ist. Möglicherweise war Auswandern seit frühester Kindheit Ihr Traum. In diesem Fall sollten Sie tatsächlich den Abenteurer verkörpern und auch in anderen Teilen der Welt mit schwierigen Situationen und Lebenslagen klar kommen. Beim Auswandern werden Sie gerade zu Beginn völlig unbarmherzig mit immer neuen Problemen konfrontiert. Es gibt nichts Deprimierenderes als im „Traumland" festzustellen, daß der „Fluchtweg" in Tat und Wahrheit eine „Sackgasse“ ist. Nehmen Sie mir diese klaren und deutlichen Zeilen nicht übel, bloss weil Sie ihren Wünschen und Vorstellungen nicht entsprechen. Sie haben sich einen Ratgeber gekauft und ein Ratgeber hat als Aufgabe, manchmal auch von einem Vorhaben abzuraten. Wenn Sie nach all den Warnungen noch immer der festen Überzeugung sind, mit der Auswanderung den richtigen Entscheid zu fällen, steht dem Neuanfang auf der iberischen Halbinsel nichts mehr im Wege. Lesen Sie diese Seiten einfach aufmerksam durch, nehmen Sie sich die mahnenden Worte in den Beispielen zu Herzen und vermeiden Sie dadurch grobe Fehler von vornherein. Streichen Sie die Vorstellung, dass Auswandern ein Sonntagsspaziergang ist definitiv aus ihrem Gedächtnis. Auch im Ausland basiert wirtschaftlicher Erfolg auf harter Arbeit, auch wenn es auf den Fremden anders wirkt.

Sie hassen Papierkram ?
Wenn Deutschland die Bürokratie erfunden hat - Spanien hat sie verfeinert !
Waren Sie vielleicht vom deutschen Sommer 2003 geschockt ?
Sämtliche Fenster waren geschlossen, die Rolladen unten. Draußen war es kaum zum Aushalten vor Hitze und wegen des grellen Lichtes wagte man kaum, die Augen längere Zeit geöffnet zu halten. Im Innern der Gebäude liefen die Uhren langsamer. An geregeltes Arbeiten war nicht zu denken. Viele Eltern stellten den Kleinen im Wohnzimmer ein behelfsmässiges Planschbecken hin. Sehnten Sie sich unter diesen Umständen in den nebligen Herbst oder dem tiefsten Winter? Verschwendeten Sie in dieser Situation auch nur einen Gedanken an dicke Winterkleidung und romantische Spaziergänge durch verschneite Winterlandschaften? Wünschten Sie sich klare Luft zum Atmen und die wohlige Wärme eines Kaminfeuers, und die kuscheligen Momente unter der Decke? Dann können Sie das Buch an dieser Stelle ohne weiteres getrost wieder zuklappen...

Finanzielle Unabhängigkeit
Sie stellt die entscheidende Basis für Ihre emotionale Ausgeglichenheit dar, egal in welches Auswanderungsland dieser Erde Sie ziehen wollen. Wir fassen diesen Begriff der finanziellen Unabhängigkeit bewusst weit: Egal ob Sie in einem Unternehmen einen gutbezahlten Posten haben, ob Sie über Erspartes verfügen, über regelmässige Rentenzahlungen oder sonst was. Fehlt jedoch eine relativ sichere Geld- oder Einnahmequelle, dann verdrängen Existenzängste oder ein karger, mühsamer Broterwerb meist sehr rasch die Wahrnehmungsfähigkeit für die angenehmen Seiten des Einwanderungslandes. Von einigen tragischen Schicksalen abgesehen, bestimmen in letzter Konsequenz die Auswanderer prinzipiell selbst, wie sie sich Gastland fühlen. Daher sollte jedes Auswandern sehr genau geplant werden. Eine schöngeredete finanzielle Zukunft, oder heillose Überschätzung der eigenen Möglichkeiten waren schon immer die sichersten Garanten für Pleiten und persönliche Dramen. Bei der Umsetzung des Traums vom Auswandern in die Wirklichkeit sollte allein der nüchterne Sachverstand massgebend sein. Gefühle sind schön und wichtig, haben aber bei der Existenzplanung nur untergeordnete Bedeutung. Dieser Punkt erhält besondere Geltung, wenn man einen Wechsel der Heimat wegen der Liebe erwägt.
Wer ohne viel Nachzudenken, Kind und Kegel, Hausrat und Hund einpackt und eines Tages sorglos in Spanien auf einem internationalen Flughafen steht, ohne zu wissen, womit er sich in Zukunft seine Brötchen verdient, muss sich nicht wundern, wenn er binnen kürzester Zeit scheitert. Zwar sind in Spanien viele Geschäftszweige in deutscher Hand, doch wäre es ein Fehler, daraus zu schliessen, dass man als Deutscher dort auch zu deutschen Bedingungen eingestellt würde. Die überwiegende Mehrheit der Jobs läuft sowieso auf Provisionsbasis. In solchen Sektoren wird dem Stellenbewerber oftmals das Blaue vom Himmel herunter versprochen und so gut wie nichts eingehalten. Dies ist besonders oft dann der Fall, wenn der Arbeitssuchende für die Firma von Interesse sein könnte, weil er über eine überdurchschnittliche Ausbildung oder viel Erfahrungen verfügt. Seien Sie also immer auf der Hut, wenn Ihnen jemand Anstellungsbedingungen offeriert, die denen in Deutschland vergleichbar sind.

Integration
Absolut zentral ist es unserer Meinung nach, sich realistische Vorstellungen hinsichtlich der Kontaktmöglichkeiten in der neuen Heimat zu machen und sich auf Durststrecken einzustellen. Wer als Auswanderer im Ausland richtig gut leben, und nicht bloss überleben möchte, kommt um brauchbare Sprachkenntnisse nicht herum. Wenn Sie ohne Grundkenntnisse anreisen, wird es auch bei fleissigem Lernen eine gute Weile dauern, bis sie sich soweit verständigen können, dass sie über die gängigen Floskeln hinwegkommen. Natürlich sind die Spanier nicht extrem pingelig und sie freuen sich ehrlich, wenn sich ein Ausländer um ihre Sprache bemüht. Allerdings werden Sie während dieser Lehrzeit keine festen, intimen Freundschaften mit Spaniern aufbauen können, weil ihnen dazu schlicht das Vokabular fehlt. Spanisch wird gerne als einfache Sprache gehandelt, weil die Orthographie einigermassen tückenfrei daherkommt. Doch wie jede europäische Sprache hat auch das Spanische seine schwierigen Kapitel. Im Gegensatz zum Deutschen legen die Spanier viel mehr Wert auf Redensarten und Sprichwörter. Überhaupt hat das Spanische in der Alltagssprache ein viel innigeres Verhältnis zur Poesie und zur Lyrik als das Deutsche. So müssen Sie nebst den Vokabeln im Idealfall auch noch die geläufigen Redensarten lernen, um das spanische Spanisch zu verstehen. Deshalb können Sie davon ausgehen, dass sich Ihr Freundeskreis zumindest zu Beginn vor allem aus Deutschsprechenden zusammensetzen wird. Ausländer finden im Ausland mit schlafwandlerischer Sicherheit Menschen aus ihrer Heimat.

Wir werden es schon irgendwie schaffen!
Wer darauf vertraut, dass es immer einen Weg geben wird, auch wenn er momentan nicht sichtbar ist, muss entweder viel Glück haben, oder landet in einem unglaublichen Schlamassel. Als mindestens ebenso fatal können sich Durchhalteparolen à la „Wir werden es schon irgendwie schaffen!“, oder: „Andere vor uns haben es schließlich auch schon geschafft.“ erweisen. Solche und ähnliche Gedanken bildeten oft genug den Auftakt zum persönlichen Ruin. Die Basis für jeden geschäftlichen Erfolg liegt im Ausland wie auch in der Heimat im notwendigen Grundkapital, sowie in der fachlichen Qualifikation des Auswanderers. Auch wer in dieser Hinsicht bestens qualifiziert ist, hat deswegen noch lange nicht das Zeug zum Emigranten. Viele Menschen haben einen perfekt trainierten Körper, aber nur wenige trauen sich wirklich als Akrobat aufs Hochseil. Die einen haben den Mut dazu, die andern nicht. Da schwingt keine Wertung mit; das ist eine blosse Tatsache. Der Vater kann seiner tänzerisch begabten Tochter noch lange gut zureden: Wenn sie sich nicht auf das Hochseil traut, wird sie nie Akrobatin; dafür vielleicht eine hervorragende Ballettänzerin werden. Wer sich mit dem spanischen Lebensstil, der berühmt-berüchtigt für seine Lässigkeit ist, nicht zumindest ansatzweise anfreunden kann, der wird es im Traumland einen ziemlich schweren Stand haben. Denn ein Spanier wird sich niemals in seine Gefühlslage hineinversetzen können, weil er gar nicht begreift, worüber sich der Ausländer aufregt; es sei denn, der Spanier wäre auch schon in Deutschland zu Gast gewesen. Am besten, man begegnet der sprichwörtlichen „Mañana-Mentalität“ mit einer guten Prise Humor und ist darüber hinaus dazu fähig, die mitgebrachte geradlinige Sichtweise deutscher Prägung zu relativieren.
Es wird vom Ausländer erwartet, dass er eine gewisse geistige Flexibilität mitbringt. Spanier sind oftmals erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, neue Tätigkeitsfelder zu erschliessen. Nur die Wenigsten arbeiten in ihrem angestammten Beruf. Die Meisten beschlossen, aus der Not der weitverbreiteten Arbeitslosigkeit eine Tugend zu machen und arbeiten gleichzeitig auf zwei, drei unterschiedlichen Feldern. So fahren die Spanier im Regelfall eine Doppelstrategie: Auf der einen Seite haben sie ein kleines, aber sicheres Einkommen aus einer bezahlten Anstellung. Daneben aber führen sie gleichzeitig ein eigenes Geschäft: Läuft das eine schlecht, halten sie sich mit dem andern über Wasser und umgekehrt.
Eine unangenehme Eigenschaft der Nordeuropäer ist im übrigen, dass sie das Gefühl haben, nur ihr heimatliches System sei das perfekte. Schlimm wird dieser Glaube vor allem dann, wenn sich dazu noch ein gewisser missionarischer Eifer gesellt: Dann meinen diese Leute, sie müssten das Gastland davon überzeugen, das neue System des Ausländers zu übernehmen. Solche Versuche enden meist bös. Machen Sie sich klar: Ein neues Umfeld, das bedeutet: Neue Freunde, neue Sitten, neue Regeln und neue Gewohnheiten. Es kann auch sein, dass sie Geschäftspraktiken tolerieren müssen, die ihre moralischen Werte verletzen, wie z.B. Korruption oder Schmiergelder, Günstlingswirtschaft und Filz. Ganz sicher werden Sie von der vertrauten deutschen Rechtssicherheit Abstriche machen müssen. In Spanien gibt es viele Gesetze und Verordnungen. Aber wenn in Deutschland Gesetze dazu geschaffen wurden, um Diskussionen zu beenden, so beginnen in Spanien die Diskussionen erst mit dem neuen Gesetz.
Lassen Sie sich durch dieses düstere Bild nicht einschüchtern. Sie werden sich jetzt vielleicht besorgt fragen: „Lohnt sich dieser riesige Aufwand, bloss für ein bißchen Sonne, Sand und Meer?“ Da können wir Ihnen nur antworten: „Spanien hat bei weitem mehr zu bieten als das. Es ist ein wundervolles Land mit faszinierenden Menschen, das unglaubliche Möglichkeiten und Freiheiten zu bieten hat.“ Wenn Sie Menschen fragen, die schon jahrelang hier wohnen, ob sie denn nicht wieder zurück nach Deutschland kehren möchten, werden Ihnen die allermeisten mit einem befreienden Lachen antworten: „Nie im Leben!“ All das bisher Gesagte lässt sich nämlich leicht auch umgekehrt darstellen: Wenn Sie mit klarem Kopf und einer vernünftigen Planung an Ihr Projekt herangehen, wenn Sie die wichtigen Fragen mit Hilfe des vorliegenden Buches seriös planen, wenn Sie mit anderen Menschen, die bereits dort leben Kontakt aufnehmen, beispielsweise über die Internetsite http://www.spanienclub.de, dann steht einer erfolgreichen Existenz in Spanien nichts mehr im Wege: Un cordial abrazo a todos y, ¡bienvenidos a España!





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