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Der bekanntesten Stier der Welt wird 50

Geschrieben von Heiko am Freitag, 20. April 2007

Schwarz, kräftig und stolz stehen die riesigen schwarzen Stier-Silhouetten an Spaniens Fernstraßen in der Landschaft. Für jeden Touristen das sicherste Indiz, in Spanien angekommen zu sein.
Über 90 der Kolosse stehen heute noch, einst riesige Werbetafeln, heute Nationalsymbol und Kunstobjekt zugleich: Der Osborne Stier ist weit mehr als Werbung und Markenzeichen. Der 12 Meter hohe Osborne Stier ist im Katalog der spanischen Kulturgüter offiziell als Monument eingetragen und hat zahlreiche renommierte Künstler zu modernen Interpretationen inspiriert.
Das wohl meistfotografierten Markenzeichen der Welt feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. 1956 vom Designer Manolo Prieto entwickelt, avancierte der Stier in den vergangenen fünf Jahrzehnten zum Wahrzeichen der spanischen Nation. 

Im Jahr 1956 beauftragte Osborne die Werbeagentur Azor mit dem Entwurf einer Werbetafel für die Osborne Brandy-Marke Veterano. Das Ergebnis war die Zeichnung des Stieres von Manolo Prieto und damit die Geburtsstunde des bekanntesten Stieres der Welt. Ein Jahr später errichtete der Kunstschmied Félix Tejada mit seinen Arbeitern die erste Werbetafel in Stierform an der Strasse zwischen Jerez De La Frontera und dem nahe gelegenen Hafenstädchen El Puerto De La Santa Maria. Der 'Toro' war damals noch 8 Meter 'klein' und aus Holz gefertigt. Die Auftraggeber wollten ihr Markenzeichen so gross wie möglich, grösser als 8 Meter war damals einfach nicht drin, die damaligen LKW erlaubten nicht mehr. Der Aufbau eines Stiers dauerte eine Woche, dennoch errichtete Tejada bis Ende 1957 ganze 16 der einzigartigen Werbetafeln. 

Es wurden immer mehr - und sie wuchsen. Vor allem, nachdem die spanische Regierung 1962 verfügte, dass Werbetafeln künftig mindestens 100 Meter von den Straßen entfernt stehen müssten. Die Osbones bestellten ganz einfach noch grössere Stiere, damit sie die Autofahrer auch aus grösserer Distanz beeindrucken konnten.

Die 12 Meter hohen Giganten bestehen heute aus 70 Stahlplatten, die von über 1000 Nieten zusammengehalten werden. Mit seinem Fundament und den vier Stützen wiegt das Bauwerk rund 50 Tonnen. Der Kopf dieser Stiere ist in der Neigung zum Körper verstellbar. Ganz unabhängig davon, wie geneigt das Gelände ist - ein Osborne-Stier steht immer geraden Hauptes in der Landschaft und schaut immer nach links. 

Doch nicht nur Osborne Stiere entstanden entlang der Fernstraßen. Um der Verunstaltung der Landschaft entgegen zu wirken, wurde 1988 in Spanien ein neues Fernstraßengesetz erlassen, das Werbetafeln und damit den Osborne Stier an öffentlichen Straßen verbot. Doch die Osbornes offerierten den Behörden ein cleveres Kompromissangebot: Félix Tejadas Leute zogen los und übertünchten das Osborne-Logo mit schwarzer Farbe. Dies trug mit dazu bei, dass die gesamte Nation sich mit dem Symbol  identifizierte und sich  für den Verbleib der Stiere stark machte. 
Das spanische Unterhaus stellte noch im gleichen Jahr 21 Werbeschilder als „historisches andalusisches Erbe“ unter Denkmalschutz. Künstler, Politiker und der Kulturverband „España Abierta“ sammelten Unterschriften, Fernsehsender schalteten Sonderprogramme und die Radiostation Cope gründete sogar einen Verein, um das Wahrzeichen zu retten: die „Asociación para Salvar al Toro/Amigo de Osborne“ („Gesellschaft zur Rettung des Stieres/Freund von Osborne“). Drei Jahre später erklärte auch der oberste spanische Gerichtshof den Osborne Stier zu einem „wesensmäßigen Teil der spanischen Landschaft“.

Noch heute, 50 Jahre nachdem sie die ersten Osborne Stiere aufbauten, kümmert sich die Familie Tejada als "Stierpfleger" im Auftrag der Osbornes um die Statuen, damit sie nicht verfallen. Nicht nur das Klima, auch andere natürliche Feinde wie Sammler oder Sprayer, rücken dem Kunstobjekt zu Leibe. Mal wird dem Stier das Intimste, die "Cojones" gestohlen, oder dem Toro werden Blumenkränze aufs Haupt gemalt, ihm wird ein Gesicht gegeben oder es werden ihm weisse Stiefel 'angezogen'. Künstler jeglicher Coleur 'verschönern' den Riesen immer wieder.

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